Liedschulte: „Mantel des Schweigens soll Fakten verdecken“

 Dass das Jugendamt Geld
 braucht, was es selbst nicht mehr hat,
 ist bekannt. Der Rat entschied bereits
 darüber, Geld aus anderen
 Stadtämtern in den Bereich
 „Erzieherische Hilfen“ zu überweisen.
 Begründet wurde der Geldtransfer durch
einen erheblichen Anstieg der Betreuungsfälle
in diesem Bereich. In der Sitzung des Kinder-
und Jugendausschuss am 27. Mai hatte die
CDU Fragen bezüglich der Haushaltssituation
gestellt. Die Beantwortung ist allerdings bis
heute – gut sechs Wochen später – immer
noch nicht erfolgt. Rosemarie Liedschulte,
Sprecherin der CDU-Fraktion im Kinder- und
Jugendausschuss, ist verärgert über eine
derartige Missachtung der Politik.



Dazu Liedschulte:
„Getreu dem Motto: „Wenn ich nichts sage, dann kann ich auch nichts falsches sagen“, scheint hier das Jugendamt zu agieren. Vier einfache von uns gestellte Fragen hätten – bei gutem Willen – innerhalb eines Vormittags beantwortet werden können. Da man sich aber im Mantel des Schweigens hüllt, lässt uns das zu dem Schluss kommen, dass die Luft beim Jugendamt sehr dünn geworden sein muss. Es scheint gerade zu so, als hätten wir ein perfekt aufgebautes Kartenhaus vor uns stehen mit glänzender Fassade. Bei näherem Hinschauen allerdings stellt man fest, dass der Putz bereits von den Wänden bröckelt und ein Luftzug alles zum Einsturz bringen kann. Die Leitung beim Jugendamt ist in diesem Fall der „Dumme“. Denn sie muss sich alle Mühe geben, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Fassade und das Geschäft aufrecht zu erhalten.“


Liedschulte sieht dringenden Handlungsbedarf und weist darauf hin, dass das Kindeswohl in dieser Stadt im ganzen Wahlkampfgetöse nicht untergehen darf. Der aktuelle Geschäftsbericht des Jugendamtes zeigt schwarz auf weiß, dass der Bereich Erzieherische Hilfen in 2008 einen enormen Zuwachs an Betreuungsfällen erfahren hat. Beispielsweise sind die Fälle der ambulanten Hilfen zur Erziehung bei Minderjährigen von 1.430 (2007) auf 1.810 (2008) angestiegen. Nur eine Zahl, die zeigt, dass dieser Bereich alle Hilfe bekommen muss, die er benötigt.


„Natürlich ist es jetzt im Wahlkampf schöner, sich vor neu eröffneten Spielplätzen abzulichten, als einen Kassensturz beim Jugendamt durchzuführen. Ich kann aber nur davor warnen, die finanziellen Probleme des Jugendamtes oder die Überlastungsanzeigen bei den Jugendhilfediensten nicht ernst zu nehmen oder gar zu ignorieren. Denn das ist ein Spiel, was zumindest bis nach der Kommunalwahl gut gehen kann, muss es aber nicht. Die Stadtoberen sollten sich nur gut überlegen, dass sie dieses Spiel momentan auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen und der Mitarbeiter austragen, die täglich mit tragischen Fällen von Kindervernachlässigung zu tun haben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Problematik erkannt und ernst genommen wird. Und das hieße, dass entsprechend mehr Gelder in den Topf des Jugendamtes fließen und entsprechend mehr Mitarbeiter eingesetzt werden, die sich um das Kindeswohl in dieser Stadt kümmern“, so Liedschulte abschließend.


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