Ziel: Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf


 



Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund hat über die Ganztags-betreuung in Schulen diskutiert und ihre Maßstäbe für Dortmund hierzu in ihrer Sitzung vom 09. Dezember 2002 festgelegt. Nach Ansicht der CDU soll mit Hilfe von drei Bausteinen – Betreuung in Grundschulen, Betreuung in weiterführenden Schulen und Betreuung im heimischen Umfeld – für Dortmunder Familien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert werden.


I. Grundschulbetreuung


a) Grundsätze und Inhalte:



Die Betreuung in Grundschulen soll nach Ansicht der CDU-Fraktion auf den normalen Schulunterricht aufbauen aber nicht zu einer Umstellung auf einen Ganztagsunterricht führen.


Die Schulkinder sollten von montags bis freitags von 07:30 Uhr bis längstens 17:00 Uhr in der Grundschule betreut werden.


An den üblichen Schulunterricht – der heute bereits vielerorts mit Hilfe von Elternvereinen und Initiativen im Rahmen der „verlässlichen Schule“ zwischen 8 bis 13 Uhr stattfindet – soll sich eine gemeinsame Mittagsverpflegung anschließen. Grundsätzlich soll hierbei auf Catering-Systeme zurückgegriffen werden, nur im Ausnahmefall sollen bereits vorhanden Kücheneinrichtungen zur Vorbereitung vor Ort genutzt werden.



In der folgenden unterrichtsfreien Zeit soll den Kindern dann eine qualifizierte Betreuung, mit einer obligatorischen Hausaufgabenbetreuung unter pädagogischer Aufsicht, angeboten werden. Da die Betreuung von Kindern nach Auffassung der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft darstellt, sollen bei den weiteren Betreuungsangeboten auch gesellschaftliche Gruppen mit einbezogen werden, die sich bereits heute mit der Kinderbetreuung beschäftigen. So sollte beispielsweise in Kooperation mit den ortsansässigen Vereinen Sportangebote gemacht, in Verbindung mit den Bezirksjugendheimen Aktionen durchgeführt und gemeinsam mit der Musikschule eine weitergehende musikalische Erziehung (Erlernen eines Instrumentes) angeboten werden.



Besonders wichtig ist für die CDU, dass die nachgewiesenen Sprachdefizite durch die Fortführung einer bereits im Kindergarten begonnenen gezielten Sprachqualifizierung ausgeglichen werden.



Dies hat bei ausländischen Schülern notwendiger Weise in Einklang mit der Förderung der jeweiligen Muttersprache zu erfolgen.



Die Deutschkurse sollen jedoch auch offen sein für deutsche Schulkinder mit Sprachschwierigkeiten.



Neben der Sprachförderung muss eine zusätzliche Förderung im Bereich Rechnen fester Bestandteil der Betreuung sein.



b) Räumliche Ausstattung:


Die CDU ist überzeugt, dass dieses Angebot – v.a. auch in Abstimmung auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen – nur in entsprechend ausgestatteten Schulen abgewickelt werden kann. Dazu gehören neben einem Speisenraum auch Gruppenräume für offene Angebote. Die Nutzung bestehender Sportanlagen in den Nachmittagsstunden in Kooperation mit den Vereinen vor Ort ist vorzusehen.



c) Finanzierung:


Bundes- und Landesregierung haben übereinstimmend den Ausbau des Angebots zu ihrem Vorrangprojekt erklärt und die Finanzierung zugesagt. Nur wenn diese Bundes- und Landesmittel auch tatsächlich gezahlt werden, ist eine entsprechende Finanzierung ausreichend gewährleistet. Die Bundesregierung hat zugesagt, über den Zeitraum der nächsten vier Jahre einen Gesamtbetrag von 1 Mrd. € pro anno für den investiven Bereich zur Verfügung zu stellen. Die CDU-Fraktion geht davon aus, dass die Stadt Dortmund davon einen jährlichen Betrag von 8 bis 10 Mio. € für diesen Zweck abrufen kann. Allein aus kommunalen Mitteln können weder die notwendigen Umbauten noch die Personalkosten für die pädagogischen Hilfskräfte finanziert werden.



Die Personalkosten für die pädagogische Betreuung, wie z.B. die Hausaufgabenhilfe und  –überwachung, sowie für die Sprachförderkurse sind vom Land NRW zu übernehmen.



Ein anteiliger, gestaffelter Elternbeitrag bis maximal 100,- pro Monat für dieses Angebot soll erhoben werden.



d) Bemessung und zeitlicher Ablauf:


Die CDU-Fraktion geht davon aus, dass die Initiative in 2003 beginnt. In jedem Jahr sollen in vier Stadtbezirken Grundschulen aufgebaut werden. Ziel ist es, in jedem der Dortmunder Stadtbezirke ein solches Angebot für die Familien machen zu können.



e) Betreuung während der Ferien:


Damit für die Eltern eine Verlässlichkeit in der Betreuung gewährleistet werden kann, ist es erforderlich, auch in den Schulferien der Kinder, Betreuungskapazitäten aufrechtzuerhalten, wie es bereits jetzt in den Kindergärten und –tagesstätten der Fall ist.



f) Auswahl der Grundschulen:


Die Schulen sind in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die Auswahl in den einzelnen Bezirken erfolgt in vier Schritten:



               Der zuständige Schulträger hat alle Schulen des Bezirks über das Bewerbungsverfahren, die –bedingungen und besonderen Voraussetzungen zu informieren.


               Die Entscheidung zur Ganztagsbetreuung obliegt in Abstimmung mit den Eltern und Elternpflegschaften allein den Schulen. Diese erstellen auch ein speziell auf sie abgestimmtes Konzept zur Ganztagsbetreuung. In einer Stellungnahme ist der Schulträger über die Ergebnisse zu informieren. 


               Der Schulträger berichtet über die Entscheidungen der Schulen und schlägt diese den politischen Gremien vor.


               Die weitere Beratung findet in den Fachausschüssen und in den Bezirksvertretungen statt.



II. Betreuung und Ganztagsunterricht in weiterführenden Schulen


Ein Ganztagsunterricht für Schüler der Sekundarstufen I und II wird derzeit in Dortmund zwar vielerorts gefordert, ist aber auf das Angebot der Gesamtschule beschränkt. Diese Einschränkung des Angebotes ist nicht hinnehmbar. Die individuellen Begabungen der Kinder sollen zukünftig auch in den individuellen Schulformen des gegliederten Schulwesens gefördert werden. Dabei ist im Einzelfall auch frühzeitig auf die spezielle Förderung von Kindern entsprechend ihrer besonderen Begabungen hinzuwirken.


Daher sollen ab dem Jahr 2004 in den weiterführenden Schulformen nach und nach für je drei Stadtbezirke eine Hauptschule, eine Realschule und ein Gymnasium auf Ganztagsunterricht umgestellt werden, wobei möglichst eine gute Lage zum öffentlichen Nahverkehr anzustreben ist.



III. Betreuung im heimischen Umfeld


Individualität wird in unserer Gesellschaft groß geschrieben. Das Angebot für Kinderbetreuung sollte in Dortmund hierauf Rücksicht nehmen. Die Anmeldezahlen für Kindergartenplätze legen die Annahme nahe, dass es eine Anzahl von Familien gibt, die die Betreuung ihrer Kinder in heimischer Umgebung der in einer Schulgruppe vorziehen. Auch diesen Eltern und Elterngruppen sollte man entgegenkommen und ihnen durch Hilfestellung die Betreuung ihrer Kinder vereinfachen.


Das heimische Umfeld ist auch gleichbedeutend mit dem Standort des jeweiligen Kindergartens. Während der ersten beiden Grundschuljahre können die Kinder auch weiterhin in dem der Grundschule am nächsten gelegenen Kindergarten bedarfsgerecht von Schulschluss bis maximal 17.00 Uhr betreut werden.


Das bereits heute in den Kindergärten vorhandene Bildungsprogramm der Kindergärten ist im Rahmen einer engen kurrikularen Verknüpfung mit dem Bildungsprogramm der Schulen abzustimmen. Die dafür notwendige Qualifizierung der Erzieher(-innen) muss gewährleistet werden.


Darüber hinaus ist insbesondere auch bei der Betreuung der 0 – 6 Jährigen darauf hinzuarbeiten, dass DoDi, dobeq und die freien Verbänden eine „Familienagentur“ einrichten. Von dort wird Betreuungspersonal mit geprüfter Zuverlässigkeit und mindestens einfacher Qualifikation ausgeliehen an Elterninitiativen und Familien zwecks Kinderbetreuung z.B. als Tagesmütter speziell für 0 – 3 Jährige.


Hier soll ein besonders günstiges Angebot für den Zusammenschluss Alleinerziehender zu Betreuungsgemeinschaften kreiert werden. Diese Gruppe wird durch Veränderungen des Steuerrechts (reduzierte Abzugsfähigkeit der Betreuungskosten) besonders benachteiligt; diese spezielle Benachteiligung von Alleinerziehenden soll hierdurch wenigstens teilweise kompensiert werden.


Durch die Wiedereinführung der Steuerfreiheit für „haushaltnahe Beschäftigungen“ (ehemaliges 630,-DM-Gesetz) eröffnen sich hier zumindest Teilverdienstmöglichkeiten und ein Arbeitsmarktbereich könnte aus dem Bereich der Schwarzarbeit in legale Strukturen überführt werden.


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