Reform der Handwerksordnung schüttet das Kind mit dem Bade auf Erhebliche Auswirkungen auf Dortmunder Berufskollegs möglich


 



Zu einem Meinungsaustausch über die geplante Reform der Handwerksordnung und die damit verbundenen Auswirkungen in Dortmund trafen Vertreter der Handwerksinnung und der CDU Dortmund aus Fraktion und Partei im Dortmunder Rathaus zusammen.


Das Handwerk bietet deutschlandweit gut 5,3 Millionen Arbeitsplätze in 580.000 handwerklichen Unternehmen an. Allein für Dortmund stellt das Handwerk die beeindruckende Zahl von xxx Arbeitsplätzen in xxx Unternehmen, konnten Gerhard Kullik, stellvertretender Kreishandwerksmeister, Günter Reichel, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dortmund-Lünen und sein Stellvertreter Helmut Klasen berichten.



Das Handwerk steht aber – auch in Dortmund – vor den Problemen, die die von Rot-Grün verantwortete Talfahrt in der Wirtschaftspolitik mit sich bringt. Besonders die Investitionszurückhaltung der Kommunen und der Nachfragerückgang bei den privaten Haushalten treffen das Handwerk schwer. Beim Versuch der Bundesregierung, von diesen Versäumnissen durch eine Reform der Handwerksordnung abzulenken, wird aber nach Ansicht der Handwerksvertreter und der CDU Dortmund das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.



Von den derzeit 94 Meisterberufen, die nur mit obligatorischem großen Befähigungsnachweis ausgeübt werden dürfen (Berufe der Anlage A), sollen nach der Reform lediglich 29 übrigbleiben. Allein die Frage der Gefahrgeneigtheit soll für die Einstufung in Zukunft entscheidend sein.


„Diese Einordnung lehnen wir ab,“ erklärte Reichel für die Handwerksvertreter.



Bundestagsabgeordneter Erich G. Fritz erklärte, dass CDU und CSU in der Reform-Diskussion die Einordnung anhand von drei Kriterien vorgeschlagen haben: Neben der Gefahrgeneigtheit sollen auch Berufe mit besonderer Ausbildungsleistung und zum Schutz von Gemeinschaftsgütern (wie zum Beispiel dem Umwelt- und Verbraucherschutz) auch in Zukunft nur beim Vorliegen des großen Befähigungsnachweises ausgeübt werden.



Gerade angesichts der allgemeinen Lehrstellenknappheit und im Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit des dualen Bildungssystems muss nach Ansicht aller Gesprächsteilnehmer besonderes Augenmerk auf die handwerkliche Lehre gelegt werden. Rund 520.000 junge Menschen befinden sich derzeit bundesweit in einer handwerklichen Lehre – XXX Lehrlinge finden in Dortmunder Betrieben den Einstieg ins Berufsleben. Die neue Handwerksordnung will zukünftig für Gewerke, die innerhalb von drei Monaten erlernbar sind, die Meisterpflicht vollständig abschaffen. Zu befürchten ist, dass junge Menschen anstatt nach einer grundlegenden mehrjährigen Qualifikation in einem Handwerksberuf dann nach nur dreimonatiger rein praktischer Lernphase in den Arbeitsalltag entlassen werden. In diesen Handwerksbereichen ist mit einem erheblichen Rückgang der Zahl der Ausbildungsverhältnisse zu rechnen.



CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Hengstenberg:


„Mit viel Engagement wird in den Stadtbezirken mit der Aktion 12×12 vorbildlich um jeden einzelnen Ausbildungsplatz gerungen. Wenn die neuen Veränderungen Wirklichkeit werden, dann werden wir im kommenden Jahr 12×120 Ausbildungsplätze suchen müssen!“



Erhebliche Auswirkungen auf die Dortmunder Berufsschulen werden von der Handwerksordnungsnovelle ebenfalls erwartet. Wie viele der derzeit rund 18.000 Berufsschüler am Ende des Reformprozesses übrig bleiben werden ist unklar – Schätzungen gehen gar von einer Reduzierung um rund 6.000 Schülern aus. In diesem Zusammenhang stellt sich für die CDU-Fraktionsspitze die Frage, ob die aktuelle Berufskollegstruktur und die zukünftigen Planungen auf eine solch schwerwiegende quantitative Veränderung überhaupt eingestellt sind.



Dazu CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Hengstenberg:


„Die CDU-Fraktion im Schulausschuss wird diese Thematik ins Blickfeld nehmen und anfragen, welche notwendig werdenden Neupositionierungen Oberbürgermeister und Verwaltung für diesen Bildungssektor planen. Schließlich wird derzeit immer noch von Neubauten für Berufskollegs ausgegangen. Beim Eintreten des befürchteten Lehrlingsrückgangs könnte sich dies als teure Fehlinvestition herausstellen.“



In Dortmund muss das Handwerk auch in Zukunft sicheren Boden haben, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig. Schließlich sei Dortmunds wirtschaftliche Zukunft nach dem fast vollständigen Wegfall der Großbetriebe von der Förderung einer kleinteiligen Struktur für Handel, Handwerk und Gewerbe abhängig. Nur mit einem breiten Mix aus zahlreichen Klein- und Mittelbetrieben seien Monostrukturkrisen in der Wirtschaft zu überstehen.


Verantwortlich: