Tagesordnungspunkt
Modellvorhaben ‚Kirchenumnutzungen‘ des Landes Nordrhein-Westfalen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die CDU-Fraktion stellt zu o.g. Tagesordnungspunkt folgenden Antrag, der den Antrag aus der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vom 31.05.2007 ersetzt:

Beschlussvorschlag
Der Rat der Stadt stimmt dem Modellvorhaben „Kirchenumnutzungen“ des Landes Nordrhein-Westfalen und den damit verbundenen geplanten Machbarkeitsstudien für die Ev. Kirche Lindenhorst und die Kath. Kirchengemeinde Albertus Magnus im Grundsatz zu.

Er erwartet jedoch, dass das Modellvorhaben auch Vorschläge für den Erhalt der vielfältigen sozialen, familiären, sportlichen und sonstigen infrastrukturellen Einrichtungen der Kirchengemeinden und der darin stattfindenden unverzichtbaren ehrenamtlichen Aktivitäten liefert.

Überall, wo es aktuell oder zukünftig um die Erstellung, den Ausbau oder die Anpassung von sozialen, familienunterstützenden oder jugend- und altenpflegerischen Angeboten geht, soll vorrangig geprüft werden, Projekte dieser Art in bestehender wohnortnaher und in der Regel baulich gut erhaltener Gemeindeeinrichtungen unterzubringen.

Begründung
Die infolge rückläufiger Kirchensteuereinnahmen prekäre Finanzlage der Kirchengemeinden und die im Zuge der Haushaltssicherungskonzepte drohende Schließung oder teilweise sogar vollständige Aufgabe der räumlichen Infrastruktur einzelner Gemeinden (Kirchengebäude, Gemeindesäle, Turnhallen, Horte und Freizeiteinrichtungen) werden von den hauptamtlichen Kirchenvertretern und ehrenamtlich Aktiven als immer größer werdende Problemfelder definiert.

Betrachtet man die von den Kirchengemeinden entwickelten und teilweise von erheblichem ehrenamtlichem Engagement getragenen Angebote der Kinderbetreuung und Jugendhilfe (Sport und Bewegung, familienunterstützende Maßnahmen, Kochgruppen für junge Mütter, alle ethnischen Gruppen einschließende Freizeitangebote, Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe für muslimische Kinder etc.) so geht dies in vielfacher Hinsicht über konventionelle Angebote gemeindlicher Jugend- und Sozialarbeit mittlerweile weit hinaus.

Nur vordergründig gilt die Sorge bei knappen Finanzen somit „nur“ dem Erhalt der kirchlichen Infrastruktur. Die drohende Aufgabe, Umwidmung oder der Verfall von Kirchen, Gemeindesälen, Freizeiteinrichtungen und Räumen der Begegnung bedroht massiv die darin beheimatete soziale Infrastruktur. Die kirchlichen Einrichtungen sind unverzichtbare wohnortnahe Anker nachbarschaftlichen, ehrenamtlichen sozialen Engagements.

Es gibt bereits einige ermutigende Beispiele gemeindeübergreifender ökumenischer Zusammenarbeit, der Kooperation mit Schulen des Stadtteils, der städtischen RAA (Sprachförderung) im Bereich der Integrations- und stadtteilbezogenen Kinder- und Jugendarbeit. Konzertiertes Zusammenwirken, möglicherweise koordiniert z.B. durch einen themenbezogenen „runden Tisch“, könnte hier helfen, die Kräfte aller Akteure zu bündeln und zielgerichtet einzusetzen.

Es muss allen Akteuren, katholischer Stadtkirche, dem evangelischen Kirchenkreis, den aktiven kirchlichen und sozialen Verbänden, nicht zuletzt der Stadt Dortmund klar sein, dass die bestehenden sozial- und jugendpflegerischen Angebote der Kirchengemeinden mit allen Kräften gestützt und soweit möglich, erhalten werden müssen. Soziales Engagement, gerade das der ehrenamtlich Tätigen der Gemeinden, braucht die räumliche Anbindung an die Infrastruktur der vertrauten Kirchengemeinde. Deren Veranstaltungsräume und Einrichtungen sind dort, wo die Menschen wohnen. Sie sind Anlaufpunkte nachbarschaftlichen Zusammenlebens – mittlerweile weit über ethnische, nationale und konfessionelle Grenzen hinweg. Was hier durch Aufgabe von Standorten an Verlusten intakter Strukturen entstehen würde, ist später durch kommunale Initiative oder allgemein die öffentliche Hand kaum wiederherzustellen. Bei knappen Finanzen aller Beteiligten, der Kirchen, Sozialverbände und städtischer Jugend- und Altenhilfe, darf es keinen Wettlauf um knappe Fördergelder, Betriebsmittel oder Mittel zur baulichen Unterhaltung geben. Zu Kooperation, abgestimmter Planung und dem Suchen nach standortsichernden Synergien gibt es daher keine Alternative. Auch der Fortgang des „Familienprojekts“ und der „Masterplan Integration“ muss im Zuge der Entfaltung stadtbezirksbezogener Aktivitäten bestehende Strukturen und Chancen des Erhalts wohnortnaher gemeindlicher Standorte und ihrer Angebote in den Blick nehmen.

Städtische Eigen- oder Ressortinteressen oder Verbandsegoismen müssen hinter dem Ziel zurücktreten, intakte räumliche und soziale Strukturen der Gemeinden langfristig zu erhalten und als Lebensmittelpunkte der Menschen und Nachbarschaften – notfalls mit neuer Funktion und thematischer Ausrichtung – zu sichern.


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