Diamorphin – das ist synthetisch hergestelltes, pharmakologisch reines Heroin. In Deutschland ist der Wirkstoff im Jahr 2009 als verschreibungspflichtiges Medikament gesetzlich zugelassen und in die Regelversorgung aufgenommen worden. Zu medizinischen Zwecken darf Diamorphin seither unter strengen Auflagen zur „heroingestützen Behandlung“ an Opiatabhängige ausgegeben werden. In einigen nordrheinwestfälischen Großstädten wie Köln, Düsseldorf oder Bonn existieren bereits sogenannte Diamorphin-Ambulanzen. Diese spezialisierten Praxen organisieren die tägliche Ausgabe des Wirkstoffs an Schwerstabhängige, gewährleisten den sterilen Konsum unter ärztlicher Aufsicht und unterstützen die suchtmedizinische Begleitung der Patientinnen und Patienten.

Wir möchten gerne mehr über das zugrundeliegende Konzept erfahren. Angesichts der erfolgreichen Arbeit der Diamorphin-Ambulanzen in anderen Großstädten und schätzungsweise 4.000 bis 5.000 heroinabhängigen Menschen in Dortmund sollte man sich das zumindest einmal anhören.

– Justine Grollmann, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion –

Aus diesem Grund hat die CDU-Fraktion die Verwaltung nun per Antrag um eine Vorstellung des Konzeptes im Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit gebeten.

Der Düsseldorfer Diamorphin-Praxis hat die Christdemokratin bereits einen persönlichen Besuch abgestattet und mit behandelnden Ärzten über Risiken, Chancen und Perspektiven der staatlich kontrollierten Diamorphin-Abgabe gesprochen. „Das Diamorphin-Programm richtet sich speziell an Schwerstabhängige, bei denen die herkömmlichen Angebote unseres Suchthilfesystems nicht greifen. Daher ist eine Aufnahme ins Programm an strenge Vorgaben geknüpft“, weiß Grollmann. In der Rheinmetropole müssen etwa folgende Kriterien erfüllt sein: Vollendung des 23. Lebensjahres, Abhängigkeit seit mindestens 5 Jahren und überwiegend intravinöses Konsumverhalten. Hinzu kommt der erforderliche Nachweis von zwei erfolglosen Substitutionsbehandlungen.

Gegenüber der verbreiteten Substitution mit Methadon bietet die Diamorphintherapie durchaus einige Vorteile. So wurde in einer zweijährigen, multizentrisch angelegten Modellstudie des Bundesministeriums für Gesundheit (Abschlussbericht 2006) wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Behandlung mit Diamorphin unter ärztlicher Aufsicht und mit psychosozialer Begleittherapie in Hinblick auf die persönliche und soziale Situation der Abhängigen zu signifikant besseren Behandlungsergebnissen führt als eine Substitutionstherapie mit Methadon.

„Das heißt aber keineswegs, dass wir die in Dortmund bereits praktizierte Methadontherapie ersetzen oder gar abschaffen wollen – vielmehr könnten wir uns eine Diamorphin-Ambulanz als ergänzendes Angebot für all jene Menschen vorstellen, die bisher durch das Netz unseres Drogenhilfesystems gefallen sind“, betont die Christdemokratin abschließend.

Ein weiterer Pluspunkt: In Vorgesprächen hat ein privater Praxisbetreiber mit einschlägigen Erfahrungen bereits Interesse an der Eröffnung einer Diamorphin-Ambulanz in Dortmund bekundet und zugleich zugesagt, die Praxis im Falle einer Genehmigung vollständig auf eigene Kosten einzurichten und zu betreiben. Demnach würde die von der CDU-Fraktion seit jeher mit Argusaugen gehütete Stadtkasse durch das Projekt mit keinem Cent belastet werden.

Der Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit tritt nach der politischen Sommerpause erstmals wieder am 17. September 2019 zusammen.

Hintergrund

Am 21.07.2009 tritt das „Gesetz zur diamorphingestützten Substitutionsbehandlung“ bundesweit in Kraft. In etlichen deutschen Großstädten, darunter neben den Rheinmetropolen auch Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart oder Hamburg, hat sich die Diamorphinsubstitution seitdem in den kommunalen Drogenhilfesystemen fest etabliert. In Dortmund sind Schätzungen zufolge etwa 4.000 bis 5.000 Menschen heroinabhängig.


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