International sorgt das Buurtzorg-Pflegemodell für großes Aufsehen. Demnächst soll es auch in Dortmund Fuß fassen. Das jedenfalls ist der Plan der CDU-Fraktion, die im Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit per Antrag um Vorstellung des Gesamtkonzepts gebeten hat. Zudem soll die Verwaltung dessen generelle Umsetzbarkeit prüfen. Am 17. September 2019 stimmt der Sozialausschuss über den CDU-Vorstoß ab.

Dass im deutschen Pflegesektor derzeit großer Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig. Fachkräftemangel, Zeitdruck und ein hoher Stresspegel sind hier eher Regel als Ausnahme. Das weiß auch Justine Grollmann, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion und beruflich selbst in der Krankenpflege tätig: „Die allermeisten Pflegekräfte sind überlastet und können sich nicht in dem Maße um ihre Patientinnen und Patienten kümmern, wie sie das gerne tun würden. Das ist ein Riesenproblem, unter dem das Personal ebenso leidet wie die Bedürftigen.“ Eine Ansiedelung des aus den Niederlanden stammenden Pflegedienstleisters Buurtzorg soll daher im hiesigen Pflegesektor für Entspannung sorgen und zugleich die Versorgungsqualität verbessern. Immerhin setzt dessen Konzept mittlerweile weltweit Maßstäbe in der ambulanten Pflege.

Buurtzorg, zu Deutsch „Nachbarschaftshilfe“, hat mit klassischen Pflegediensten wenig gemein. „Es gibt weder Hierarchien, noch Befehlsketten oder Chefs. Vielmehr organisieren sich die kleinen autonomen Pflegeteams vollkommen eigenverantwortlich“, erklärt Grollmann. Anstelle von standardmäßiger Leistungserbringung „nach Schema F“ setzt das Modell auf individualisierte Pflege, die sich allein an den Bedürfnissen der Patienten orientiert und darauf abzielt, deren Selbstständigkeit im Alltag schrittweise zu verbessern. Statt „Massenabfertigung“ und Zeitdruck entscheiden die Teams selbst über ihre Aufnahmekapazitäten und die Gestaltung der Arbeitszeiten. Dadurch rückt der menschliche Kontakt zu den Pflegebedürftigen wieder in den Mittelpunkt der Arbeit. Eine weitere Besonderheit: Buurtzorg baut über das persönliche Umfeld – Angehörige, Nachbarn, Freunde, Ärzte, etc. – Netzwerke auf, die unterstützend bei der Betreuung mitwirken, die Pflegekräfte entlasten und soziale Teilhabe fördern.

„Vielen pflegebedürftigen Menschen ist es sehr wichtig, so lange wie möglich im vertrauten Umfeld und den eigenen vier Wänden zu leben. Buurtzorg ermöglicht das durch individuelle Versorgung und den Aufbau von sozialen Netzwerken „in der Nachbarschaft“. Wir glauben, dass so ein Konzept viele Menschen anspricht“, unterstreicht Grollmann abschließend. Daher hofft die Christdemokratin auf breite Zustimmung der anderen Ratsfraktionen zu ihrem Antrag.


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